Wie wird aus einem klassischen Datenblatt ein Digitaler Produktpass (DPP), der relevante Produktinformationen verständlich und transparent darstellt? Genau dieser Frage widmete sich ein Workshop im Projekt GoProZero, den das inIT gemeinsam mit Fraunhofer IOSB-INA durchführte. Jonas Kortner (Fraunhofer IOSB-INA) und Philip Sehr, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Vernetzte Automatisierungssysteme am inIT unter der Leitung von Prof. Dr. Henning Trsek, leiteten den Workshop und führten die Teilnehmenden aus verschiedenen Unternehmen durch einen Tag, der Austausch, Diskussion und praktische Umsetzung miteinander verband.
AAS und DPP in der Praxis
Zum Einstieg bot ein gemeinsamer Kaffee Gelegenheit zum Kennenlernen und für intensive Gespräche. Direkt an der Kaffeebar CinITo wurde sichtbar, wie sich ein DPP auf Basis der Asset Administration Shell (AAS) in der Praxis umsetzen lässt. Die AAS fasst dabei die relevanten Produktinformationen strukturiert zusammen; der DPP macht diese Informationen anschließend sichtbar und zugänglich. Das weckte Interesse – und führte zugleich zu einer engagierten Diskussion: Sind die erforderlichen Daten nicht längst vorhanden? Schafft der DPP zusätzliche Bürokratie oder bietet er einen echten Mehrwert?
Die Diskussion machte deutlich, worauf es ankommt: Viele relevante Informationen liegen in Unternehmen bereits vor, häufig jedoch verteilt über unterschiedliche Systeme und Formate. Die Asset Administration Shell kann diese Daten strukturiert bündeln und für verschiedene Anwendungsfälle bereitstellen.
„Der Digitale Produktpass muss nicht bedeuten, dass Unternehmen neue Datenberge aufbauen. Viele Informationen sind bereits vorhanden. Mit der AAS können sie strukturiert zusammengeführt und für unterschiedliche Anwendungen nutzbar gemacht werden“, erklärt Philip Sehr. Das schafft die Grundlage, Produktinformationen strukturiert weiterzugeben und ihre Nachvollziehbarkeit entlang der Wertschöpfungskette zu verbessern.
Vom Konzept zur eigenen AAS
Nach dem Einstieg in die Themen DPP und AAS ging es direkt an die praktische Anwendung. Im ComputerLab des inIT wurden die Teilnehmenden selbst aktiv. Sie hosteten ihren eigenen AAS-Server, erstellten Type Shells und pflegten die erforderlichen Produktdaten ein. Anschließend konnten sie nachvollziehen, wie sich aus den in der AAS hinterlegten Informationen ein Digitaler Produktpass ableiten und darstellen lässt.
Bis in den Nachmittag hinein wurde ausprobiert, diskutiert und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Der Workshop zeigte, dass die AAS keine abstrakte Zukunftstechnologie ist, sondern bereits heute als konkretes Werkzeug genutzt werden kann. Der DPP macht die strukturierten Produktinformationen für den jeweiligen Anwendungsfall nutzbar und sichtbar.
Austausch zwischen unterschiedlichen Branchen
Die Rückmeldungen fielen positiv aus: Viele Teilnehmende sehen sich nun besser vorbereitet, die Umsetzung eines DPP im eigenen Unternehmen weiter voranzutreiben.
Auch der Austausch zwischen den Unternehmen erwies sich als großer Gewinn. Die Teilnehmenden brachten Perspektiven aus der Verbindungs- und Automatisierungstechnik, der Digitalisierung, der Agrartechnik, der Herstellung von Matratzen, der Softwareentwicklung sowie der Daten- und Nachweisinfrastruktur für Rohstoffe ein. Diese Vielfalt an Erfahrungen und fachlichen Schwerpunkten sorgte für neue Impulse und einen wertvollen Wissenstransfer.
Wie hilfreich die praktische Arbeit war, fasst ein Teilnehmer zusammen: „Die praktische Übung hat viele offene Fragen beantwortet. Ich kann jetzt besser einschätzen, welche Daten bereits vorhanden sind und wie sie mithilfe der Asset Administration Shell für einen Digitalen Produktpass strukturiert werden können.“
Weitere Workshops sollen an diesen Austausch anknüpfen und den gemeinsamen Weg vom Datenblatt zum Digitalen Produktpass weiterführen.
Weitere Informationen zum Projekt GoProZERO:

