Welche Auswirkungen hat Künstliche Intelligenz auf demokratische Prozesse? Und welche Chancen, Grenzen und gesellschaftlichen Herausforderungen entstehen durch ihren Einsatz?
Diesen Fragen widmete sich die Veranstaltung „Licht und Schatten der KI-Entwicklung: Wie schützen wir die Demokratie?“ am 17. September auf dem Innovation Campus Lemgo.
Organisiert wurde der Abend von Dr. Sonja Girod (VHS Detmold-Lemgo) und Prof. Dr. Markus Lange-Hegermann (inIT). Die Veranstaltung war bewusst dialogorientiert angelegt: Nach den Vorträgen gab es viel Raum für Fragen und Diskussionen, bevor einzelne Themen in Workshops gemeinsam mit den Teilnehmenden weiter vertieft wurden.
Von der Entwicklung heutiger KI bis zu demokratischen Grundwerten
Im ersten Kurzvortrag beschäftigte sich Annemarie Witschas von der Universität Osnabrück mit anti-demokratischen Tendenzen im Kontext Künstlicher Intelligenz. Dabei ging sie unter anderem auf den Einsatz von KI und Big Data als Werkzeuge anti-demokratischer Politik sowie auf ideologische Vorstellungen ein, die mit der Entwicklung von KI-Technologien verbunden sind. Anhand konkreter Beispiele thematisierte sie etwa Überwachung und Desinformation und stellte zur Diskussion, welche demokratischen Risiken mit aktuellen technologischen Entwicklungen einhergehen können.
Annemarie Witschas ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Ethik und kritische Theorien der KI an der Universität Osnabrück. Ihre Forschung beschäftigt sich insbesondere mit Macht und Mitgestaltung im Kontext von KI sowie mit der Frage, wie alternative und emanzipatorische technologische Zukünfte gestaltet werden können.
Welche Rolle kann KI für demokratische Prozesse spielen?
Im zweiten Vortrag stellte Dr. Theresa Züger vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft Ergebnisse aus dem transdisziplinären Forschungsprojekt „Impact AI“ vor. Das Projekt untersucht, wie sich die gesellschaftlichen Auswirkungen von KI-Anwendungen bewerten lassen – mit besonderem Blick auf Gemeinwohl und Nachhaltigkeit.
Anhand verschiedener Fallbeispiele zeigte Dr. Theresa Züger, wie KI bereits heute in demokratischen Prozessen eingesetzt werden kann, etwa zur Unterstützung von Faktenchecks. Dabei machte sie zugleich deutlich, dass KI menschliche Verantwortung nicht ersetzt: Die untersuchten Systeme können beispielsweise Informationen filtern, zusammenfassen oder eine erste Orientierung geben, Entscheidungen und Bewertungen bleiben jedoch Aufgabe des Menschen.
Darüber hinaus wurden mögliche Zielkonflikte beim Einsatz von KI, darunter Fragen der Nachhaltigkeit, der Menschenrechte und Gerechtigkeit sowie der Vereinbarkeit von KI-Anwendungen mit demokratischen Werten thematisiert.
KI-Fakes erkennen und gesellschaftliche Folgen diskutieren
Nach den Vorträgen boten Workshops die Möglichkeit, einzelne Fragestellungen weiter zu vertiefen und direkt miteinander ins Gespräch zu kommen.
Andreas Besginow, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Mathematik und Datenwissenschaften am inIT, gestaltete den Workshop „KI-Fakes und Demokratie im Alltag – erst prüfen, dann teilen“. In einem interaktiven Test konnten die Teilnehmenden zunächst selbst einschätzen, welche Bilder und Videos echt und welche KI-generiert oder manipuliert waren. Anschließend ging es darum, wie verdächtige Inhalte systematisch überprüft werden können. Dabei stellte Andreas Besginow unter anderem die SIFT-Methode (Stop, Investigate, Find, Trace) vor und zeigte Anlaufstellen zur Überprüfung verdächtiger Inhalte.
Im Workshop „Der KI-Boom und demokratische Grundwerte – eine Herausforderung für die Gesellschaft“ vertiefte Annemarie Witschas zentrale Fragen ihres Vortrags gemeinsam mit den Teilnehmenden. Diskutiert wurde unter anderem, wie KI-generierte politische Kommunikation einzuordnen ist, welche Rolle Aufklärung und Medienkompetenz spielen können und wie mit solchen Inhalten auf Social-Media-Plattformen umgegangen werden sollte.
Großes Interesse und viel Raum für Austausch
Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse: Rund 50 Teilnehmende kamen auf den Innovation Campus Lemgo, um sich über die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf demokratische Prozesse zu informieren und eigene Fragen und Erfahrungen einzubringen. Sowohl nach den Vorträgen als auch in den Workshops entstand ein angeregter Austausch mit zahlreichen Fragen und Diskussionen.
Prof. Dr. Markus Lange-Hegermann freut sich über die gute Resonanz:
„Es freut uns sehr, dass dieses hoch relevante Thema so viele Interessierte zu uns auf den Campus gelockt hat. KI und Demokratie betreffen uns alle – umso wichtiger ist es, solche Fragen nicht nur innerhalb der Wissenschaft zu diskutieren, sondern mit der Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen. Auch die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten war wirklich toll.“
Die Veranstaltung fand im Rahmen der KI-Akademie OWL statt und brachte wissenschaftliche Perspektiven mit Fragen, Erfahrungen und Diskussionen aus der Öffentlichkeit zusammen.
→ Mehr über die KI-Akademie OWL: https://ki-akademieowl.de
Autorin: Mona Marie Brinkmann




