Bei der zweiten Vollversammlung der Innovationscommunity ISyCARE kamen mehr als 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Gesundheitsversorgung und Wirtschaft in Paderborn bei dem Unternehmen Connext Vivendi zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen der Community sowie die zweite Förderrunde, in der acht Projektteams ihre Ideen präsentierten.
Für das inIT war die zweite Förderrunde ein voller Erfolg: Gleich zwei Projekte erreichten die nächste Phase des Förderverfahrens. Das Institut war mit den Projekten DiRePa (Digital unterstützte Reha-Übergänge entlang der Patient Journey) und RehAI-SCAN (Rehabilitationsbezogene Erkennung häuslicher Alltagsbarrieren durch computerbasierte Analyse) vertreten. DiRePa entwickelt digitale Informations- und Koordinationsprozesse für die geriatrische Rehabilitation entlang der Patient Journey. RehAI-SCAN verfolgt das Ziel, häusliche Alltagsbarrieren mithilfe computerbasierter Analysen frühzeitig zu erkennen und die rehabilitationsbezogene Beratung zu unterstützen. Während DiRePa bereits nach der Begutachtung ausgewählt wurde, überzeugte RehAI-SCAN anschließend im Pitch der zweiten Förderrunde und qualifizierte sich im Community-Voting ebenfalls.
Effektive Datenplattformen im Gesundheitswesen
Das Projekt DiRePa präsentierte Nils Brinkmeyer von der Digitalen Datenplattform OWL bei der Vollversammlung. Im Fokus stehen geriatrische Patientinnen und Patienten an den Schnittstellen zwischen Akutversorgung, geriatrischer Rehabilitation und ambulanter Nachsorge. Das Vorhaben liefert Erkenntnisse zu Informationsbedarfen, Akzeptanz und Nutzungsbarrieren für die digitale Reha-Versorgung in Deutschland.
Projektpartner sind neben dem inIT die Digitale Datenplattform OWL sowie die assoziierten Partner St. Vincenz Kliniken Paderborn und Praxisnetz Paderborn Berufsverband e. V. Julian Knaup vom inIT erklärt:
„Mit DiRePa gehen wir den nächsten Schritt im Kontext der effektiven Datenplattformen im Gesundheitswesen, die zugeschnitten sind auf die Bedarfe aller Beteiligten – von den Medizinerinnen und Medizinern bis zu den Patientengruppen mit ihren spezifischen Bedarfen entlang der Patient Journey.
KI-gestützte Hinweise für das häusliche Umfeld
Prof. Dr. Markus Lange-Hegermann und Dr. Laura Moradbakhti sowie Marianne Petersmeier vom Gesundheitsamt des Kreises Lippe stellten das Projekt RehAI-SCAN im Pitch der zweiten Förderrunde gemeinsam vor.
RehAI-SCAN steht für „Rehabilitationsbezogene Erkennung häuslicher Alltagsbarrieren durch computerbasierte Analyse“. Das Projekt wird gemeinsam vom inIT und dem Gesundheitsamt des Kreises Lippe umgesetzt. Das Ziel besteht darin, einen Demonstrator zu entwickeln, der mögliche Barrieren im häuslichen Umfeld frühzeitig erkennt und für die rehabilitationsbezogene Beratung aufbereitet. Im Mittelpunkt stehen Wohnbereiche, die für Mobilität und Selbstständigkeit besonders relevant sind. Mithilfe von Foto- oder Videoaufnahmen sollen kritische Wohnraummerkmale wie Stolperfallen, fehlende Haltegriffe oder ungünstige Möbelplatzierungen erfasst werden.
„Mit RehAI-SCAN möchten wir untersuchen, wie KI-gestützte Verfahren die rehabilitationsbezogene Beratung konkret unterstützen können. Entscheidend ist, dass die Technologie nicht losgelöst von der Praxis entwickelt wird, sondern gemeinsam mit den Fachstellen, die solche Bedarfslagen aus ihrem Arbeitsalltag kennen“, sagt Prof. Dr. Markus Lange-Hegermann.
Die erkannten Merkmale sollen mit rehabilitationsbezogenen Risikoprofilen abgeglichen werden. Daraus entstehen leicht verständliche Prüf- und Hinweise für Fachkräfte. Die fachliche Einschätzung bleibt dabei ausdrücklich den Beratungsstellen überlassen – der Demonstrator soll diese Arbeit lediglich vorbereiten und strukturieren, aber nicht ersetzen.
„Gerade im häuslichen Umfeld können kleine Barrieren große Auswirkungen auf Selbstständigkeit, Sicherheit und Teilhabe haben. Unser Ziel ist es, solche Situationen frühzeitig sichtbar zu machen und Beratungsprozesse gezielt zu unterstützen“, erklärt Dr. Laura Moradbakhti.
Dr. Laura Moradbakhti baut als Praxispostdoc in Kooperation mit dem Kreis Lippe die Forschungsgruppe „KI und Digitale Assistenzsysteme im Gesundheitswesen“ auf. RehAI-SCAN greift diesen Praxisbezug auf und verbindet ihn mit datenwissenschaftlicher Expertise: Prof. Dr. Markus Lange-Hegermann bringt seine Perspektive aus dem Forschungsschwerpunkt Mathematik und Datenwissenschaft in das Vorhaben ein.
ISyCARE am inIT
Das Campus-OWL-Projekt ISyCARE ist am inIT in der Forschungsgruppe Diskrete Systeme unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Lohweg verankert. Das Institut bearbeitet innerhalb der Innovationscommunity das Arbeitspaket Care Data Spaces. Im Mittelpunkt stehen dabei datenbasierte Technologien für moderne Versorgungsszenarien wie medizinische und pflegebezogene Dateninfrastrukturen, datengetriebene Analysen, digitale Assistenzsysteme und app-basierte Lösungen.
Weitere Informationen zur Innovationscommunity gibt es hier: https://isy-care.de
Autorin: Mona Marie Brinkmann




